Messeelektrik: Anschlussarten, Leistungsbedarf und Prüfpflichten für Aussteller
Bild: Ausstellerstimme

Fachmessen

Teil von Welche Messedienstleister brauche ich und wie steuere ich Vergabe und Kosten?

Welche Messeelektrik und Standtechnik brauchen Aussteller?

Messeelektrik für Aussteller: Anschlussarten von Schuko bis CEE 125 A, Leistungsbedarf, VDE-Prüfpflichten, Technikformulare und Kosten netto plus MwSt.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Wer Anschlussart und Leistung kennt, bestellt Technik rechtzeitig und vermeidet Nachbestellungen vor Ort.
  • Üblich sind CEE-Anschlüsse von 16 A bis 125 A mit eigenem Standverteiler, Schuko deckt nur kleine Lasten ab.
  • Ortsveränderliche Betriebsmittel brauchen eine gültige Prüfung nach DGUV Vorschrift 3 und eine Prüfplakette.
  • Die Kosten bestehen aus Anschlusspauschale je Anschluss und Messetag plus Verbrauchsabrechnung, jeweils netto zuzüglich 19 Prozent MwSt.

Anschlussarten und Leistungsgrenzen

Messeelektrik beginnt an der Hausverteilung des Geländes und endet an der Steckdose des Standes. Dazwischen liegt Veranstaltertechnik: Einspeisung, Standverteiler, Zuleitungen und Absicherung. Eingriffe in die Hausverteilung sind Ausstellern untersagt.

Für die Bestellung zählt die Anschlussart. Die folgende Übersicht nennt die gängigen Varianten und ihre Rechenleistung bei Drehstrom.

Anschluss Rechenleistung Typische Nutzung
Schuko 230 V, 16 A 3,5 kW Theke, Beleuchtung, Ladegeräte
CEE 16 A, 400 V 11 kW Standardstand mit Licht und Kaffeemaschine
CEE 32 A, 400 V 22 kW Kochinsel, Kompressor, Prüfstand
CEE 63 A, 400 V 43 kW Maschinen, Fahrzeugpräsentation
CEE 125 A, 400 V 87 kW Großstand mit mehreren Unterverteilern

Ein Standverteiler verteilt die Leistung auf einzelne Stromkreise. Steckdosenstromkreise bis 32 A sind mit Fehlerstromschutzschaltern von höchstens 30 mA Auslösestrom auszustatten, wie DIN VDE 0100-711 für Messestände vorgibt. Mehrfachsteckdosenketten erfüllen diese Anforderung nicht.

Reicht die Hausleistung nicht, kann ein Aggregat beantragt werden, es braucht einen festen Anschlussplatz, Brandschutzabstände und eine Abnahme durch den Geländeelektriker.

Leistungsbedarf berechnen

Addieren Sie die Nennleistungen aller Geräte und multiplizieren Sie die Summe mit einem Gleichzeitigkeitsfaktor zwischen 0,7 und 0,9. Kaffeemaschine und Kochfeld laufen selten gleichzeitig mit allen Strahlern, deshalb ist der Faktor üblich. Rechnen Sie 20 bis 30 Prozent Reserve auf.

Ein Stand mit zwölf LED-Strahlern (je 150 W), Kaffeemaschine (2,2 kW), Kühlschrank (0,15 kW) sowie Monitoren und Ladegeräten (0,4 kW) kommt auf 4,55 kW. Mit Faktor 0,8 bleiben 3,64 kW. Ein CEE-16-A-Anschluss mit 11 kW deckt das ab. Eine Kochinsel mit 6 kW verlangt dagegen 32 A.

Was Anschluss und Verbrauch kosten

Die Preise stehen in den Preislisten des jeweiligen Messegeländes, meist getrennt nach Anschlussart und Messetag. Die Messe Frankfurt bündelt Bestellung und Abrechnung der technischen Anschlüsse für Aussteller, dort sind Anschlussleistungen, Standorte und Fristen dokumentiert. Zusätzlich wird der Verbrauch nach Zähler abgerechnet.

Beispielrechnung mit marktüblichen Sätzen für vier Messetage und einen CEE-16-A-Anschluss:

  • Anschlusspauschale 145 Euro netto je Anschluss und Messetag, für vier Tage 580 Euro netto
  • Verbrauch 112 kWh zu 0,45 Euro je kWh netto, also 50,40 Euro netto
  • Summe netto 630,40 Euro, 19 Prozent MwSt. 119,78 Euro, brutto 750,18 Euro
  • Ein CEE-63-A-Anschluss kostet je Messetag eher 300 bis 400 Euro netto zuzüglich Verbrauch

Messebeteiligungen sind wirtschaftspolitisch gerahmt, das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz ordnet Messewirtschaft und Förderlogik ein.

Prüfpflichten und Normen

Der Aussteller bleibt Betreiber der elektrischen Anlage auf seinem Stand. Daraus folgen Prüf- und Dokumentationspflichten.

Ortsveränderliche Betriebsmittel wie Verlängerungsleitungen, Strahler und Werkzeugmaschinen sind nach DGUV Vorschrift 3 in Verbindung mit DIN VDE 0701-0702 zu prüfen, mit Prüfplakette zu kennzeichnen und mit Protokoll zu erfassen. Die Frist legt der Betreiber in der Gefährdungsbeurteilung fest, auf Messen ist eine Prüfung vor jedem Aufbau üblich.

Für Messestände bündelt der DIN-Normenausschuss NABau Normen für Bau und Genehmigung von Messeständen, zu denen auch elektrotechnische Anschlussbedingungen gehören. Der Ausschuss NHRS bündelt Normen für Materialien und Brandschutz im Messebau. Kabel und Leitungen müssen danach brandsicher verlegt sein, Kabelbrücken schützen Trittstellen.

Anschluss und Abnahme macht eine Elektrofachkraft. Dienstleister wie Elektro Messe Service übernehmen Anschluss, Standverteiler und Abnahme auf dem Gelände, Preise und Leistungsumfang stehen in ihren Preislisten.

Technikformulare und Fristen

Technik wird über die Formulare des Geländes bestellt, häufig als Teil der Standanmeldung. Wer zu spät bestellt, zahlt Nachbestellzuschläge oder bekommt keinen Anschluss am Wunschplatz. Bewährt hat sich diese Reihenfolge:

  1. Verbraucherliste erstellen und Leistung mit Gleichzeitigkeitsfaktor berechnen.
  2. Anschlussart, Position der Einspeisung und Platz für den Standverteiler im Standplan festlegen.
  3. Technisches Anmeldeformular ausfüllen und fristgerecht abgeben, meist vier bis sechs Wochen vor Aufbaubeginn.
  4. Prüfprotokolle, Konformitätsnachweise und Angaben zur Elektrofachkraft beilegen.
  5. Bei Anreise Zählerstand und Abnahme dokumentieren, Ansprechpartner vor Ort notieren.

Förderwege, Standortfragen und Messeauftritte bündelt der DIHK in seinen Themenfeldern der IHK-Organisation.

Häufige Fragen

Reicht ein Schukostecker für meinen Stand?

Für Theke, Beleuchtung und Ladegeräte bis etwa 3,5 kW ja. Küchengeräte, Kompressoren und Maschinen brauchen Drehstrom. Prüfen Sie die Geräteleistung, nicht die Steckdosenzahl.

Wer darf den Standverteiler anschließen?

Nur eine Elektrofachkraft oder der vom Gelände beauftragte Dienstleister. Der Aussteller stellt den Verteiler bereit und lässt ihn an die Einspeisung anschließen und abnehmen.

Wie lange sind Prüfplaketten gültig?

Die Frist ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung nach DGUV Vorschrift 3, häufig zwölf Monate. Viele Gelände verlangen für jede Messe einen aktuellen Nachweis.

Was passiert bei verspäteter Technikbestellung?

Nachbestellungen vor Ort sind teurer und dauern. Bei fehlender Anmeldung wird der Anschluss nicht freigegeben, der Stand bleibt ohne Strom.

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