Checkliste zur Auswahl von Messedienstleistern mit Angeboten und Verträgen
Bild: Ausstellerstimme

Fachmessen

Teil von Welche Messedienstleister brauche ich und wie steuere ich Vergabe und Kosten?

Messedienstleister auswählen: Checkliste für Angebote und Verträge

Messedienstleister auswählen: Checkliste für Angebote und Verträge mit Leistungsverzeichnis, Referenzen, Versicherung, Vertragsstrafen und Beispielsummen je Gewerk.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Fordern Sie ein Leistungsverzeichnis mit Einheitspreisen, Mengen und Materialangaben, sonst sind Angebote nicht vergleichbar.
  • Prüfen Sie drei Referenzen in ähnlicher Standgröße sowie Betriebshaftpflicht, Standbau- und Transportversicherung.
  • Regeln Sie Vertragsstrafen, Fertigstellungstermin, Abnahmeprotokoll und Zahlungsplan schriftlich.
  • Eine Beispielrechnung für 100 Quadratmeter Standfläche liegt netto zwischen 900 und 18.000 Euro je Gewerk, plus 19 Prozent MwSt.
  • Bei Komplettpaketen von Holtmann, Nüssli oder Syma immer die Einzelpositionen mit ausweisen lassen.

Leistungsverzeichnis: diese Positionen gehören ins Angebot

Ein Angebot ohne Leistungsverzeichnis lässt sich nicht vergleichen. Verlangen Sie je Position Nummer, Menge, Einheit, Einheitspreis, Material und Montagezeit. Aufgeführt werden sollten Standbau, Grafik, Bodenbelag, Elektro, Beleuchtung, Möblierung, Logistik, Reinigung und Entsorgung.

Nennen Sie in der Anfrage Standnummer, Halle, Fläche, Auf- und Abbauzeiten sowie die vorhandenen Anschlüsse. Statik, Traversen, Doppelstockbühnen und schwere Exponate gehören als eigene Position ins Verzeichnis. Pauschalen wie "Standbau komplett" verdecken genau die Leistungen, die später nachgetragen werden.

Wer Komplettpakete vergleicht, sollte die Paketpreise auf Einzelpositionen herunterbrechen. Eine Übersicht mit Komplettpaketen und Paketpreisen für Standbau-Dienstleister veröffentlicht Holtmann. Lassen Sie zusätzlich angeben, welche Leistungen nicht enthalten sind, etwa Stromanschluss, Nachtaufbau oder Standbewachung.

Referenzen und Kapazität prüfen

Drei Referenzen sind das Minimum, und sie müssen zur eigenen Standgröße passen. Fragen Sie nach Projekten aus derselben Halle oder zumindest aus vergleichbaren Messeorten. Ein Referenzfoto ohne Ansprechpartner beim Kunden sagt wenig über Termintreue aus.

Klären Sie, ob der Dienstleister mit eigenen Monteuren arbeitet oder Subunternehmer einsetzt. Fragen Sie nach der Teamstärke am Aufbautag und nach der Zahl paralleler Projekte in derselben Halle. Nüssli stellt temporären Eventbau und Standbaulösungen für Aussteller bereit.

Zu den bekannten Namen im deutschen Messebau zählen Holtmann, Nüssli und Syma. Holtmann beschreibt Standbau, Mietlösungen und Dienstleistungen im Detail. Syma ist vor allem für System- und Mietstände bekannt.

Versicherung und Haftung im Vertrag

Verlangen Sie vor Aufbaubeginn eine Kopie der Betriebshaftpflicht. Prüfen Sie, ob Schäden an Hallenboden, Decke und Nachbarständen mitversichert sind. Die Deckungssumme muss zu den Vorgaben des Veranstalters und zur Standgröße passen.

Diese Nachweise gehören in die Anlage zum Vertrag:

  • Betriebshaftpflicht mit schriftlicher Deckungssumme
  • Versicherung des Mietstands gegen Beschädigung und Verlust
  • Transportversicherung für Exponate und Standmaterial
  • Freistellungsklausel für Schäden, die der Dienstleister verursacht
  • Regelung, wer Exponate und Technik am Messetag bewacht

Der Diebstahl von Exponaten ist meist Sache des Ausstellers, nicht des Standbauers. Steht im Vertrag nur "Versicherung vorhanden", fehlt der Nachweis. Verlangen Sie Police oder Deckungsbestätigung mit Ablaufdatum.

Vertragsstrafen, Termine und Zahlungsplan

Der Fertigstellungstermin gehört mit Datum und Uhrzeit in den Vertrag, nicht in eine E-Mail. Vereinbaren Sie eine Vertragsstrafe für den Verzug, dazu eine Frist zur Nachbesserung und ein Abnahmeprotokoll am Ende des Aufbaus.

Beispiel für eine Vertragsstrafenklausel: 0,5 Prozent der Auftragssumme je Werktag Verzug, gedeckelt auf 5 Prozent. Bei 36.000 Euro netto sind das 180 Euro pro Werktag und höchstens 1.800 Euro. Prüfen Sie, ob die Strafe an eine Nachfrist gebunden ist.

Beispiel für einen Zahlungsplan: 30 Prozent Anzahlung, 40 Prozent nach dem Aufbau, 25 Prozent nach Messeschluss, 5 Prozent Einbehalt bis zur Mängelbeseitigung. Regeln Sie außerdem Rücktritt, höhere Gewalt, Hallensperrung und Streik.

Beispielrechnung: typische Angebotssummen je Gewerk

Die folgende Rechnung gilt für einen Stand mit 100 Quadratmetern, zwei Messetagen und Aufbau durch den Dienstleister. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz beschreibt die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und die Förderlogik für Messebeteiligungen.

Gewerk typisch netto 19 % MwSt. brutto
Standbau und Systemstand 18.000 Euro 3.420 Euro 21.420 Euro
Grafik, Druck und Beschilderung 3.800 Euro 722 Euro 4.522 Euro
Bodenbelag und Aufbau 2.400 Euro 456 Euro 2.856 Euro
Elektro und Beleuchtung 3.200 Euro 608 Euro 3.808 Euro
Möblierung: Theke, Sitzgruppe, Regale 2.100 Euro 399 Euro 2.499 Euro
Logistik, Auf- und Abbau 5.600 Euro 1.064 Euro 6.664 Euro
Reinigung und Standbewachung 900 Euro 171 Euro 1.071 Euro
Summe 36.000 Euro 6.840 Euro 42.840 Euro

Die Summen sind Beispielwerte für einen Stand dieser Größe und diesen Aufbauumfang. Messestandort, Hallenlogistik und Nachtaufbau verschieben sie deutlich. Beziehen Sie deshalb jedes Angebot auf dieselben Positionen.

Häufige Fragen

Wie viele Angebote sollte ich einholen?

Mindestens drei. Bei Komplettpaketen lohnt zusätzlich ein Vergleichsangebot über Einzelgewerke, damit Sie die Pauschale bewerten können.

Welche Versicherungsnachweise gehören in den Vertrag?

Betriebshaftpflicht, Versicherung des Mietstands, Transportversicherung und Freistellungsklausel. Verlangen Sie Police oder Deckungsbestätigung vor Aufbaubeginn.

Wie hoch sollte eine Vertragsstrafe ausfallen?

Vereinbaren Sie einen Prozentsatz der Auftragssumme je Werktag Verzug, etwa 0,5 Prozent, gedeckelt auf 5 Prozent. Pauschalen ohne Bezug zur Auftragssumme sind schwer durchsetzbar.

Woran erkenne ich ein überteuertes Komplettpaket?

Wenn Aufbau, Grafik und Möblierung nur als eine Summe erscheinen, fehlt die Vergleichsbasis. Lassen Sie die Einzelpositionen mit Einheitspreisen nachreichen.

Was tun, wenn der Stand am Aufbautag nicht fertig ist?

Verzug schriftlich rügen, Nachfrist setzen, Vertragsstrafe geltend machen und Fotos sowie Aufbauprotokoll sichern. Für den Messestart brauchen Sie einen Notfallplan mit Ersatzmöbeln und Grafikdruck.

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